Hans Schüttler

Fluxus als Energiestandort

Hans Schüttler installierte 2006 Energiestandorte im Landkreis Stade anlässlich der Schließung des AKW Stade. In mehreren Museen, in Bussen des Nahverkehrs und auf öffentlichen Plätzen. Es fanden Events statt,  die den Betrachter als Energiestandort miteinbezogen.

Schon Joseph Beuys hat in den siebziger Jahren die Beziehung zwischen Material, Wärme und Energie ausgelotet. Dabei ging es ihm nicht um exakte naturwissenschaftliche Experimente, sondern um das Verhältnis verschiedener Materialien zueinander.

Der Energie und Wärmebegriff wird bei Beuys durch das Filz gekennzeichnet. Wie in der Alchemie geht es bei Joseph Beuys um die Verwandlung von materieller in geistige Energie und umgekehrt.

Durch die unterschiedliche Kombination von Materialien, Klänge, Orte und Aktionen entstehen neue Energiezusammenhänge, die beim Betrachter Denkprozesse und Ekstasen in Gang setzen.

Formel 1, Komposition für Chor, Orchester und Gurkenreaktor, Uraufführung am 9.2.05

 
Die Gurke im Mund des Komponisten:
So endete das  "Formel 1“-Konzert im Museum.
12.02.2005

 
Formel 1, Komposition für Chor, Orchester und Gurkenreaktor.
 

„Formel 1“ lockt ins Buxtehuder Museum

Uraufführung der Komposition von Hans Schüttler

Buxtehude. Wer am Donnerstag, 10. Februar, um 19.30 Uhr das Konzert „Formel 1“ im Buxtehuder Museum besucht, taucht mitten in eine Klangwelt und darf im Rahmen der Ausstellung „Abschied vom Kernkraftwerk Stade“ auf eine ungewöhnliche Komposition für gemischten Chor, Instrumente und Gurkenreaktor von Hans Schüttler gespannt sein.

Bei „Formel 1“ handelt sich um eine Uraufführung, die im gesamten offenen Foyer vom Keller bis zum zweiten Stock und im Aufzug des Museums zu hören ist. Schüttlers Komposition befasst sich mit dem Thema Energie im Allgemeinen und mit Energieerzeugung. Physikalische Formeln werden gesungen, ihnen wird gehuldigt, sie werden beschwört und bekommen eine poetische Dimension. Energetische Zustände werden vom Chor und von den Instrumentalisten dargestellt und inszeniert dargeboten. Es singt der Chor „Lux Aeterna“ unter der Leitung des Kasseler Hochschuldozenten Andreas Cessak. Die Solisten sind Heinz Erich Gödecke (Posaune, Tibetisches Horn), Reinhard Lippert (Akkordeon), Hans Schüttler (Orgel, analoges Modulsystem) und Björn Lücker (Pauken).
Hans Schüttler ist Komponist und Musiker. Seit er 1998 vom Land Niedersachsen ein Stipendium bekam, ist er im Landkreis Stade sehr aktiv. 2002 fungierte er als künstlerischer Leiter des Festivals „40 Jahre Fluxus“ (das TAGEBLATT berichtete). Schüttlers Konzerte und Kompositionen sind von Helgoland bis Havanna zu hören und wurden vom Goethe-Institut und vom deutschen Musikrat gefördert.

09.02.2006

 

Cast Ohr

Performance anlaesslich der Ausstellung Abschied KKW im Schwedenspeichermuseum Stade mit

Hans Schuettler - Electronics
Marie Cougul - Tanz
Reinhard Lippert - Bratsche

 

Ungewohnte Klänge zum AKW-Ausklang

Hans Schüttlers Abgesang für den Stader Reaktor
Buxtehude. Geniestreich oder das Werk eines Scharlatans? Eines steht fest: In seiner Komposition mit dem Titel „Formel 1“ hat sich Musiker Hans Schüttler auf ungewöhnliche Weise mit dem Thema Energie befasst. Bei der Uraufführung am Donnerstagabend im Rahmen der Ausstellung „Abschied vom Kernkraftwerk Stade“ im Buxtehude-Museum amüsierte sich das Publikum prächtig.

Unbefangenes Kinderlachen durchbrach am Ende die Stille und löste die Spannung: Komponist Hans Schüttler liegt auf einem Tisch. Aus seinem Mund ragt eine Salatgurke, die sich langsam schwebend an einem Seil von oben den Weg dorthin gebahnt hat. Stille.
„Gurkenreaktor“ nennt Hans Schüttler den Schlussteil seiner Klangcollage, bei deren Uraufführung das Publikum Zeuge einer vom konventionellen Konzertbetrieb weit abgerückten Inszenierung wurde. Für Atmosphäre sorgte ein erleuchtetes Brennelement.
Der gemischte Chor „Lux Aeterna“ unter der Leitung des Kasseler Hochschuldozenten Andreas Cessak sang, murmelte, flüsterte oder rief lautstark beschwörend und im vorgegebenen Rhythmus physikalischen Formeln wie „E gleich mc Quadrat“ oder die Zahl 56. Dabei handelt es sich um eine Taktzahl aus einer Motette von Felix-Mendelssohn Bartholdy, die Hans Schüttler in Bruchstücken verwendet hat.
Zu vom Chor improvisierten Clustern gesellten sich Geräusche wie das Fallen von Blechteilen oder das Zerknüllen und Zerreißen einer Papierrolle mit der Aufschrift der berühmten Einstein-Formel. Zwei Männer in Schutzanzügen bahnten sich den Weg durch den Chor. Nach brachialer Klangkraft folgten Energie geladene Generalpausen. Die musikalischen Ereignisse überschlugen sich förmlich. Energieerzeugung wurde hörbar. Zusätzliche Effekte und Klänge wurden von Posaune, tibetischem Horn, Akkordeon und Pauken erzeugt. Dabei agierten die Musiker im Keller, im Aufzug und im zweiten Stock des Museums.
Nicht zuletzt kamen Original-Tonbandaufnahmen mit Arbeitsgeräuschen aus dem Kernkraftwerk zum Einsatz, die Hans Schüttler mit synthetischen Klängen an einem analogen Modulsystem mixte.
Nach seinem Studium in den Fächern Klavier und Jazztheorie befasst sich Hans Schüttler mit Klangbausteinen, Installationen, Improvisationen oder digitalen Spielsachen. Und jemand scheint dabei sein ständiger Begleiter zu sein- der Schalk im Nacken. Die Gurke im Mund des Komponisten: So endete das „Formel 1“-Konzert im Museum.

12.02.2005

Konzert im Baumarkt.

Im Herbst, an einem Samstagvormittag oder abends bei laufenden Betrieb, werden einige Künstler an verschiedenen Orten im Baumarkt Musik machen. In der Gartenabteilung wird die Schriftstellerin Frederike Frei ihre aktuellen Blumengedichte vortragen. Auf den Fernsehbildschirmen, auf denen normalerweise für Produkte geworben wird, sind Videos namhafter internationaler Künstler zu sehen.
Alle Darbietungen sind so konzipiert, dass sie im Vorbeigehen wahrgenommen werden können. Es braucht keine Bühne oder Bestuhlung aufgebaut werden.
Der Verkauf und laufende Kundenbetrieb wird in keiner Weise beeinträchtigt. Während des Einkaufs können die Kunden im Vorbeigehen den künstlerischen Darbietungen lauschen.

Zielgruppe: Die Kunden des Baumarktes.

Auf diese Weise werden Menschen an Kunst herangeführt, die vielleicht normalerweise nicht in Kunstausstellungen gehen, sowie Menschen, die sich explizit für Kunst interessieren oder einfach nur neugierig sind und deshalb zu dieser Veranstaltung kommen

Das Klavierkonzert von John Cage mit Baumaschinen, Gesang u.a.

Das Klavierkonzert von John Cage in einer Version mit Baumaschinen, Gesang und anderen Dingen

Nach dem physikalischen Gesetz der Entropie gibt es eine potenzielle Energie der Lage, die sich eine beliebige Form sucht. Der Baumarkt enthält eine Vielzahl systematisch angeordneter Readimades (Duchamp). Die Besucher des Baumarktes entwenden immer wieder einzelne Exemplare, um neue Formen zu schaffen z.B. in Form eines Eigenheims. D.h. aus abstrakten Formen entstehen konkrete Formen. Das Ensemble Inside wird nach einer Komposition von Hans Schüttler mit den Gegenständen z.B. Schraubenschachteln Klänge erzeugen. Die Schriftstellerin Frederike Frei wird Blumengedichte vortragen Videos werden gezeigt. Die Akteure sind im ganzen Raum verteilt.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 

40 Jahre Fluxus

Fluxusfestival 2002

Hamburger Abendblatt: Das Dosen-Konzert von Buxtehude
Adolf Brockmann 06.08.2002

"Kunst und Leben" verbinden soll die Bewegung. Im Raum Stade gab es dazu jetzt ein Festival.

STADE/BUXTEHUDE. John Gage gehörte vor 40 Jahren zu den Begründern der Fluxus-Bewegung, gedacht als eine Art "Verbindung von Kunst und Leben" und Bezeichnung für eine "Erneuerung der Kunst" durch Einbeziehung von Bildender Kunst, Theater und Musik, Im Kreis Stade gab es ein Fluxus-Festival. Da durfte Cage nicht fehlen.

Im Pferdestall des Schlosses Agathenburg wurde - fast zum Abschluss - sein Klavierkonzert aufgeführt. Hans Schüttler, Stader Musiker, steht im dunklen Anzug vor den 95 Besuchern und sagt: "Das Klavierkonzert kann man auch ohne Klavier spielen." Hans Schüttler (später gibt er von sich: "Himbeertorte kann man auch im Winter essen.") bittet seine Mitspieler auf die Bühne, hebt die Arme, gibt den Einsatz für Bohrmaschine, Akkuschleifer, für ein gelegentlich anzuschaltendes Fernsehgerät, für tibetische Homer, Gesang und Baumaschine.

Ein Zementmischer wird von ihm angeschaltet, röhrt, staubt. In der Nähe sitzende Kinder halten sich die Ohren zu. Ein kleines Mädchen stampft mit dem Kunststoff-Puppenwagen im Takt. Die Sängerin dreht ihre Runden. Der Dirigent hebt nach gut 20 Minuten "Klavierkonzert" ohne Klavier wieder die Arme. Er winkt ab. Das Publikum applaudiert (auch die Kinder). Standing Ovations für die Musiker. 40 Jahre Fluxus - für Schüttler Grund genug, mit finanzieller Unterstützung der Bezirksregierung und anderer Stellen das Fluxus-Festival zu organisieren.

An drei Orten, verbunden durch Busse der KVG. Rund 70 Kunstfreunde lassen sich darauf ein, in Stade, Buxtehude und Agathenburg kommen "Einzelbesucher" dazu. In Stade gibt es im Museum ebenso eine Uraufführung wie in Buxtehude. "Satellitenschüsseln im Unterhemd" heißt die Performance mit Küchengeräten und dem Garderobenständer des Schwedenspeichers. "Grenzfall" die in Buxtehude. Dr. Klaus Frerichs, der Museumsdirektor, rezitiert in sommerlicher Verkleidung. Isis Chi Gambatte fällt in in verlangsamter Zeitlupe dazu die Treppe herunter. Gekonnt mit Beifall belohnt. Und im Freien gibt es dann (Interaktionskünster Thomas Peiter fragt, im Museum, im Freien und schon vor der Aktion jeden: "Was ist mit Afghanistan?") noch ein begehbares Fluxuskonzert: Gesang, tibetische Homer. Und dazu einen Hagel leerer Getränkedosen auf das Kopfsteinpflaster. Übrigens: die Sängerin wurde nicht getroffen. Sie sang später in Agathenburg. Und auf der Fahrt dort hin las Frederike Frei ganz in Pink aus ihrem Buch "Unsterblich".

 

Fluxus Prozession