Tonkunst mit dem Telefon
Hans Schüttlers Komposition für Orchester und Handy gewann Kritiker Preis
Wer Hans Schüttlers Keller gesehen hat, kann sich vorstellen, wie seine Musik klingt. Auf dem Regal eine halb defekte Elektro-Orgel, nur drei Tasten funktionieren. Lautsprecher stehen herum und Dutzende Plattenspieler. Jeder davon ist kaputt, aber jeder rauscht, knirscht oder kratzt auf eine andere Weise. Dann das Kinderspielzeug: quietschbunte Keyboards, ein Saxophon aus Plastik.
Die dissonanzenreiche Spielweise war ungewohnt für die „Con moto"-Musiker, die am Hamburger Friedrich Ebert-Gymnasium und der Technischen Uni Harburg lernen. Vor der Aufführung zeigte Schüttler ihnen, wie sie Streichinstrumente zupfen oder Klarinetten so spielen, dass unsaubere Obertöne entstehen.
Kein Wunder, dass Schüttler seine Musik nicht schreibt wie Beethoven am Pult: „Wenn ich vor einem leerem Blatt sitze, fällt mir nichts ein. Lieber hört er sich Ideen von Baustellen und Baumaschinen ab. Manchmal notiert er in der S-Bahn Einfälle auf Zetteln.
Daheim fügt er sie zu Partituren zusammen, die zur Hälfte aus Noten bestehen, zur Hälfte aus Comic-Figuren. Übrigens komponiert Schüttler meist nachts. Dann stört ihn das klingelnde Telefon nicht.
Matthias Streitz im Stader Tageblatt vom 18.10.2010
Zu sehen ist ein interaktives Game, in dem ich ein Teil bin.