Ein Tag im NDR-Studio
Stader Tageblatt 2012
Wie ein Musiker und Komponist arbeitet: Jugendreporterin schaut ihren Vater über die Schulter
STADE. Jugendreporterin Luise Schüttler (12) aus Stade wollte wissen, wie ein Hörspiel entsteht. Da ihr Vater Hans Schüttler Musiker und Komponist ist und eine seiner Produktionen beim NDR in den Ferien stattfand, durfte sie ihn begleiten.
Ich biege mit meinem Vater in die private Straße des NDR ein. Viele Gebäude säumen unseren Weg. Ich habe schon völlig die Orientierung verloren, als wir vor einem dieser Gebäude stehen bleiben und eintreten. Nun sind wir im Studio 8. Ich werde freundlich von der Regisseurin Alice Elstner und den anderen Mitarbeitern begrüßt. Das Studio besteht aus fünf Räumen.
In einem Raum sitzt die Regisseurin mit der Tontechnikerin, dem Tonmeister und dem Regieassistenten. Der Tonmeister hat gleich drei Bildschirme vor sich stehen. Der Regieassistent nur einen. Nur die Regisseurin nicht. Sie hat das Drehbuch vor sich liegen. Über einen großen Bildschirm, der an der Decke angebracht ist, wird der Aufnahmeraum für die Musiker gezeigt.
Aber der Aufnahmeraum ist doch gleich nebenan. Warum dann der Bildschirm? Ich erfahre, dass man ja schlecht im Aufnahmeraum Anweisungen geben kann, wenn doch dort alles aufgenommen wird. Klingt logisch.
Nun schaue ich mir den Aufnahmeraum von innen an. Ein Synthesizer, ein Theremin, eine Bassposaune eine große Rahmentrommel und Perkussionsinstrumente stehen hier.
Jetzt muss ich wieder zu der Regisseurin, denn die Aufnahme beginnt. Über den Bildschirm kann ich sehen, wie sich die beiden Musiker, mein Vater und sein Kollege Heinz Erich Gödecke, Kopfhörer aufsetzen. Über die Kopfhörer hören sie den Hörspieltext und die Anweisungen der Regisseurin. Sie spricht über ein Mikrofon mit den Musikern. Schließlich teilt die Regie mit: "Wir sind auf Aufnahme."
Der schon vorher aufgenommene Hörspieltext wird abgespielt und die Musiker müssen dazu spielen. Heinz Erich Gödecke spielt Bassposaune, Rahmentrommel und Perkussion, mein Vater Synthesizer und Theremin. Ein Theremin ist ein elektronisches Musikinstrument, bei dem die Tonhöhe mittels einer Antenne durch Handbewegungen erzeugt wird.
Die beiden Musiker sollen improvisieren und mit dem Text spielen. So lautet die Anweisung. Zu einer bestimmten Szene raschelt Heinz laut mit Papier oder kratzt über Eisen. Erzählt der Erzähler im Hörspiel über die Vergangenheit, wird die Posaune mit einem Vocoder elektronisch verfremdet - in der Gegenwart aber nicht.
Ich finde die Musik ungewöhnlich, aber spannend und schön.
So geht es den ganzen Morgen und Nachmittag. Der Text wird abgespielt und die Musiker experimentieren. Die Regie entscheidet dann, ob die Musik zum Text gepasst hat oder noch mal wiederholt werden muss. Wenn die Musik in Ordnung ist, geht es weiter mit der nächsten Szene.
Insgesamt dauert das alles rund sechs Stunden. Danach bin ich ziemlich fertig und auch ein bisschen froh, endlich zu fahren.
Wie ein Hörspiel entsteht, erfährt Jugendreporterin Luise Schüttler im NDR-Studio. Hörspiel „Nachglühen“
Das Hörspiel „Nachglühen“ ist nach der Vorlage des gleichnamigen Buches von Jan Böttcher entstanden. Es handelt von zwei Männern, die 17 Jahre nach der Wende wieder in ihr kleines Dorf direkt an die Elbe zurückkehren, um den kranken Großvater zu pflegen. Dort steigen dann wieder die Erinnerungen von der Zeit in der DDR auf. Das kleine Dorf lag 40 Jahre lang abgeschottet im Grenzgebiet. Es geht um Verrat, Freundschaft und die alten Erinnerungen aus der Zeit der DDR.
Das Hörspiel ist 75 Minuten lang und wird am Mittwoch, 11. November, um 20 Uhr auf NDR Kultur ausgestrahlt.