Eingabehilfen öffnen

Zum Hauptinhalt springen
Presse

Orgel Elektronik in Stade



Orgel und Elektronik: Projekt in St. Cosmae Die Musiker Annegret Kleindopf und Hans Schüttler experimentieren mit Klang Margot Lemmermann Stade. Ungewöhnliche Klänge waren im Rahmen der Sommerkonzerte am Donnerstag in St. Cosmae zu hören. Musik von Dietrich Buxtehude und Vincent Lübeck erklang auf eine Weise, wie die Besucher sie vermutlich in einer Kirche zuvor noch nicht erlebt hatten. "Für uns war es ein Experiment" sagten die Musiker Hans Schüttler und Annegret Kleindopf. Unter der Orgel stand eine Batterie von elektronischen Modulen. Hier wurden zum einen eigene Klänge erzeugt, zum anderen aber wurde auch der Schall der Orgel, mit Hilfe von Mikrofonen aufgenommen, elektronisch verfremdet. Als erstes hörten die Besucher eine Klanginstallation zum Choral von Vincent Lübeck "Nun lasst uns Gott dem Herren Dank sagen und ihn ehren". So war die vertraute Orgel zu hören, die Annegret Kleindopf spielte, um dann von Klängen abgelöst zu werden, die anmuteten wie gestörte Frequenzen eines Radiosenders oder wie dumpfe Geräusche aus der Unterwelt. Großartig, wie es Schüttler gelang, mit seiner Elektronik Töne zu erzeugen, die sich anhörten, als würden sie auf einer E-Gitarre, einer Geige oder einer Trommel gespielt. Es folgte eine von Vincent Lübeck komponierte Variation einer der bedeutendsten Harmoniefolgen des 16. und 17. Jahrhunderts: "La Folia". Kleindopf und Schüttler entwickelten aus diesem Stück wiederum ihre eigenen Improvisationen, ließen Töne in einem unglaublichen Variantenreichtum erklingen. So waren zarte Nuancen zu hören, die dem Stück einen meditativen Charakter verliehen, dann erklangen Töne wie Hammerschläge oder fernes Donnergrollen. Im Spiel mit Tiefen und Höhen lauerte das Fremde. Zeigte sich damit gewissermaßen die Seele des Barock? Widerspruch und Aufbegehren? Nach einer Überleitung waren das Präludium und die Fuge fis Moll von Dietrich Buxtehude zu hören, ein Werk im berühmten "Stylus Phantasticus", mit dem schon im 17. Jahrhundert alle Grenzen überschritten wurden. Buxtehude wagte sich mit kühnen harmonischen und rhythmischen Strukturen in bis dato noch nie gehörte Bereiche der Orgelmusik vor. Schüttler ließ nun Töne erklingen, die Assoziationen an ein Glockenspiel weckten, gefolgt von Annegret Kleindopfs brillantem Orgelspiel. Den Ausklang bildete der Abendhymnus "Der du bist drei in Einigkeit", dessen Ursprünge bis ins 7. Jahrhundert zurückreichen. Hier ließ Annegret Kleindopf ihren lyrischen Sopran erklingen. Ergänzt wurde dieser durch Töne von der Elektronik, die ein wenig an improvisierten Jazz erinnerten. Das klang interessant, das Experiment von Annegret Kleindopf und Hans Schüttler war gelungen und wurde von den Besuchern mit viel Beifall belohnt. 21.08.2010 Stader Tageblatt